Die Sehnsucht nach Balistraat blieb über Generationen bestehen.
Sie gehörten zu den ältesten Gebäuden der Wohnungsbaustiftung. Letztes Jahr wurden sie abgerissen: die 52 Arbeiterhäuser in der Balistraat aus den Jahren 1919/20. An ihrer Stelle entstehen ebenso viele nachhaltige und geräumigere Häuser – ganz im Stil der damaligen Zeit. Bewohnerin Anita Boelen freut sich darauf, in die Straße zurückzukehren, in der fünf Generationen ihrer Familie gelebt haben. Anne-Gé Zee-Van der Vaart hingegen nicht: ’Ich bin glücklich, wo ich jetzt bin.’
Weder Anita noch Anne-Gé müssen lange überlegen, was die Balistraat so besonders macht. Anne-Gé lebte dort 21 Jahre und erinnert sich mit Wehmut an die Geselligkeit, die dort herrschte. ’Und an das Gemeinschaftsgefühl. Bei schönem Wetter spielte sich das Leben hauptsächlich im Freien ab, genau wie früher. Die Menschen kümmerten sich umeinander. Wenn man nichts zu essen hatte, gaben sie einem ihr letztes Brot.’
Datiert
Aus Sicht der Wohnungsbaugesellschaft Woningstichting waren die Wohnungen nach heutigen Maßstäben zu klein und in jeder Hinsicht veraltet. Umfangreiche Sanierungen, wie sie in den 1970er-Jahren durchgeführt wurden, lohnten sich nicht mehr und waren im Verhältnis zum Ergebnis zu kostspielig. Daher errichtet das Bauunternehmen Dozy BV im Auftrag der Gesellschaft nun 52 geräumige Wohnungen neu. Entworfen wurden sie vom renommierten Architekturbüro Braaksma & Roos, das auch die kürzlich fertiggestellten Neubauwohnungen am Anfang der Koningstraat entworfen hat.
Die Häuser in der Balistraat werden schon bald alle modernen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Komfort erfüllen. Die Energiekosten werden für die neuen Bewohner niedrig sein.
Verkauf
Von den 52 Häusern stehen zwölf zum Verkauf, da auch hierfür Nachfrage besteht. Das bringt außerdem etwas Abwechslung in die Straße.
Die Wohnungsbaustiftung hatte einen umfassenden Sozialplan für die ursprünglichen Bewohner der Balistraat erstellt. Diese konnten vorübergehend oder dauerhaft in eine andere Wohnung in Den Helder umziehen. Wer in die Balistraat zurückkehren wollte, hatte die Wahl zwischen einer Wohnung am ursprünglichen Standort oder einer anderen Wohnung in der Straße. Achtzehn der ursprünglichen Mieter wollten auf jeden Fall in die Balistraat zurückkehren.
Geburtsort
Anita Boelen hat sich schnell entschieden. Auch sie kehrt zurück. ’Ich habe 36 Jahre lang in der Balistraat gewohnt, in einem anderen Haus, aber ich möchte in mein Elternhaus zurückkehren. Meine Mutter lebte dort bis zu ihrem Tod, daher wäre es wunderbar, jetzt dorthin zurückkehren zu können. Es war einfach eine sehr angenehme Straße.’
Sie wohnt vorübergehend in der Anemonenstraat. ’An sich ist da nichts auszusetzen, aber ich vermisse die Balistraat.’
Ganze Generationen sind mit der Balistraat verbunden. ’Insgesamt haben fünf Generationen unserer Familie dort gelebt: Großeltern, Eltern, Onkel und Tante, Cousins und ich.’ Man weiß, dass diese Bindung in anderen Familien bis zu drei Generationen zurückreicht.
Wie bereits erwähnt, lebte Anne-Gé Zee-Van der Vaart 21 Jahre lang in der Balistraat, kehrt aber bewusst nicht dorthin zurück. ’Ich wohne derzeit in einer Wohnung am Hendrik Baskeweg, und obwohl ich mich anfangs erst einmal daran gewöhnen musste, gefällt es mir hier mittlerweile sehr gut. Aufgrund meiner Gesundheit ist es angenehm, alles auf einer Ebene zu haben.’
Bewunderung
Sie ist eine Frau mit festen Meinungen und Prinzipien. Auch die Entscheidung der Wohnungsbaustiftung, das Haus in der Balistraat abzureißen, missbilligte sie entschieden. ’Was haben die denn gesagt, die Häuser seien klein? Gegenüber von mir lebten dort neun Kinder!’ Gleichzeitig ist sie voller Bewunderung für den Bauplan, den die Wohnungsbaustiftung nun umsetzt. ’Er sieht wirklich wunderschön aus.’
Neben pragmatischen Gründen gibt es für sie auch eine prinzipielle Frage, warum sie nicht nach Balistraat zurückkehren möchte. ’Es sind Einfamilienhäuser mit drei Schlafzimmern. Man sollte dort doch nicht allein leben, oder? Eine Familie gehört dorthin! Ich finde jedenfalls, dass die Wohnungsbaustiftung in dieser Hinsicht strengere Regeln haben muss.’
Grüße
Dennoch wird sie die Balistraat vermissen. Das Gemeinschaftsgefühl und der soziale Charakter seien wahre Markenzeichen des Viertels gewesen, erklärt Anne-Gé. Und das gelte eigentlich für die gesamte Innenstadt. ’Ich habe 62 Jahre im Stad binnen de Linie gelebt. Die Menschen dort scheinen anders zu sein. Sie grüßen sich zum Beispiel viel öfter, sogar Fremde. In De Schooten sind alle viel zurückhaltender. Wenn ich Leute auf der Straße grüße, sagen sie manchmal nichts zurück. Oder ich höre: Kennen wir uns? Dann antworte ich: Nein, aber jetzt schon.’
Das ändert nichts daran, dass Anne-Gé sich nach zwei Jahren in ihrem neuen Zuhause eingelebt hat. ’Oh ja, ich fühle mich hier wie zu Hause. Als ich vor zwei Jahren nach De Schooten zog, war das ein Kulturschock. Eine völlig andere Welt. Aber mittlerweile habe ich mich eingelebt. Ich bin Mitglied im Bouleclub des Hauses und habe guten Kontakt zu vielen Bewohnern. Die Frist, innerhalb derer ich mich melden musste, ob ich nach Balistraat zurückkehren möchte, läuft also bald ab.’



