Als gebürtiger Helderse-Junge sind die Lange Jaap und der Deich für mich wichtige Wahrzeichen dieser Stadt. Wobei ich den Deich vor der Erhöhung Ende der 70er Jahre deutlich schöner finde.
Alte Fotos zeigen den kleinen Ronald mit seiner Mutter, wie sie von der – trotz der Betonmauer des Atlantikwalls eher bescheidenen – Deichseite aus auf die wilden Wellen blicken. Hinter ihnen stehen Gebäude, die den Krieg überstanden haben oder erst kürzlich errichtet worden waren. Die Den Helder war noch immer eng mit dem Meer verbunden.
Ähnliche Fotos werden zweifellos viele Alben von Helderse zieren. Genau wie die vom Jahrmarkt hinter dem Deich bei Fort Navgis. Dort beeindruckte ich meine erste Flamme, indem ich nicht mit der Wimper zuckte, als wir in einem halb wackeligen Wagen der Achterbahn „Octopus“ saßen, obwohl ich eigentlich Todesangst hatte… Nun ja, so ist das eben.
Der Deich von einst ist der Deich von heute. Eine Art grüne Berliner Mauer. Trotzdem fühlen wir uns ihm verbunden. Er gehört uns, den Menschen von Nieuwediep. Wir fahren mit dem Fahrrad darüber, wir gehen darüber, wir angeln dort, wir lassen unseren Hund dort sein Geschäft verrichten.
Der Deich weckt Emotionen. Das sehe ich im Dijkkwartier. Dieses Projekt trägt dem zukünftigen Meeresspiegelanstieg Rechnung und löst einen Teil des Wohnungsmangels. Mit Sozialwohnungen. Mit relativ bezahlbaren Eigenheimen. Und ja, auch mit teureren Häusern. Als eine der ärmsten Städte der Niederlande brauchen wir auch Menschen mit Geld. Sonst haben wir bald keine Geschäfte, kein Schwimmbad und kein Kino mehr. Das Besondere an diesem Projekt: Der Wasserverband Hollands Noorderkwartier, der normalerweise sehr vorsichtig mit Deichen umgeht, ist eng eingebunden und erkennt die Chancen.
Jetzt, wo das neue Rathaus steht und niemand mehr darüber spricht, braucht Den Helder ein neues Thema, über das sie sich aufregen können. Prognose: Einige Parteien werden das Dijkkwartier im Vorfeld der Wahlen 2026 für ihre Zwecke instrumentalisieren. Denn Unmut zu schüren bedeutet unzufriedene Wähler zu gewinnen. Und unzufriedene Wähler sind potenzielle Wähler.
Und so wird die Diskussion zu einer reinen Bauchentscheidung. Bald kann man den Hund nicht mehr auf dem Deich ausführen! (Stimmt nicht.) Es wird nur noch teure Häuser für die Elite geben! (Stimmt nicht.) Der Steuerzahler wird bluten! (Stimmt nicht.) Die Aussicht wird verschwinden! (Welche Aussicht? Die aufs Meer bleibt, und landseitig blickt man jetzt auf die Rückseiten alter Wohnblocks.) Der Dorus Rijkershofje ist in Gefahr! (Bis dahin bin ich längst tot und begraben.) Es wird ein zweites Zandvoort oder Knokke! (Stimmt nicht, es wird hochwertige Architektur wie im Stadtzentrum geben.).
Der Deich ist ein Wahrzeichen. Und das wird er auch bleiben. Genauso wie das Dijkkwartier. Ein prächtiger Deich. Für alle zugänglich. Für viele eine Lösung der Wohnungsnot. Und für Den Helder endlich die Wiederherstellung der Verbindung zum Meer.
RONALD DEN BOER




