‘Wir schließen.’ Nachdem ich mich gerade erst von der Insolvenz von Blokker und dem Weggang von Ziengs erholt habe, bin ich überrascht von der Aufschrift im Schaufenster des Souvenirladens Lodewijk Aan De Overkant.
Nach fünf Jahren gibt der Inhaber auf. Hohe Personalkosten und die Konkurrenz aus dem Internet setzen dem netten kleinen Laden in der Keizerstraat zu. Ich höre schon die bitteren Witze, dass wohl ein Friseur oder ein Nagelstudio an seine Stelle treten wird.
Ich muss unwillkürlich an eine andere Stadt denken, die mit hohen Leerstandsquoten zu kämpfen hatte: Heerlen. Vor etwa sechs Jahren besuchte ich die Stadt in Limburg beruflich. Heerlen wird oft mit Den Helder verglichen. Viele Menschen mit niedrigem Einkommen, ähnliche soziale Probleme. Und eine Innenstadt, die sich in einem umfassenden Umbau befand. Zu Recht, denn als ich dort umherging, hatte ich kurz das Gefühl: Ostdeutschland ist nicht tot. Nicht nur in Heerlen selbst, sondern auch in den umliegenden Gemeinden. Allein im Jahr 2024 konnten nicht weniger als siebzig – oft junge – Unternehmer ihren Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen. Das Geheimnis? Jedenfalls keine zusätzlichen Beamten einstellen, keine Berichte schreiben und keine Heerscharen von Beratern engagieren.
Nein, Streetwise ist in Heerlen und Umgebung tätig. Die Agentur berät Existenzgründer und kleine Unternehmen, die Innovationen vorantreiben oder ihren Standort verlegen möchten. Die Gründer müssen ihren Businessplan und ihre Finanzierungsberechnung selbst erstellen. Streetwise bietet dabei Tipps und Feedback. Anschließend unterstützt Streetwise bei der Suche nach einem geeigneten Standort und den Verhandlungen mit dem Vermieter, begleitet die Gründer zur Bank, um die Finanzierung zu sichern, und hilft bei der Einholung der erforderlichen Genehmigungen. All diese Leistungen erbringt Streetwise kostenlos, da die Agentur von den lokalen Behörden bezahlt wird.
Der Erfolg liegt in der Zusammenarbeit. Die Kommunen, aber auch die Banken und die Immobilieneigentümer – alle müssen Kompromisse eingehen. Die Finanzinstitute, allen voran die Rabobank, sind bereit, Risiken einzugehen. Die Immobilieneigentümer sind bereit, mit niedrigeren Mieten zu beginnen, damit sich auch Erstkäufer die Wohnungen leisten können.
Und die Beamten denken vorwiegend im Einklang mit dem System, nicht dagegen. In Limburg funktioniert das. Modegeschäfte, Lifestyle-Boutiquen, Designstudios, einzigartige Cafés und Teestuben, eine Fahrradwerkstatt – sie alle füllten unzählige leerstehende Ladenlokale.
Auch in Den Helder ist noch immer viel Unternehmergeist spürbar. Fast jeden Monat werde ich von Menschen angesprochen, die im Stadtzentrum ein Geschäft oder ein kleines Unternehmen eröffnen möchten. Angesichts dieses großen Potenzials: Sollten wir nicht endlich ein authentisches Bild von den Straßen in Den Helder bekommen? Sollten wir, dem Beispiel von Heerlen folgend, mehr tun, um (angehende) Unternehmer zu unterstützen und das Einkaufsviertel attraktiver zu gestalten?
RONALD DEN BOER




